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Wie aus einer Vision ein digitales Ökosystem entstand

Gütersloh als Smart City
30. Juli 2026 durch
Wie aus einer Vision ein digitales Ökosystem entstand
Stadt Gütersloh

Die Digitalisierung von Städten wird häufig mit futuristischen Technologien, autonomen Fahrzeugen oder künstlicher Intelligenz verbunden. Doch eine Smart City entsteht nicht durch Technologie allein. Sie entsteht dort, wo digitale Lösungen konkrete Herausforderungen beheben, Ressourcen schonen und das Leben der Menschen verbessern. Genau diesen Weg geht die Stadt Gütersloh seit mehreren Jahren. Mit ihrer Smart-City-Strategie verfolgt sie einen praxisnahen Ansatz: Digitalisierung soll nicht Selbstzweck sein, sondern einen messbaren Mehrwert für Verwaltung, Stadtgesellschaft, Umwelt und Wirtschaft schaffen. Dabei stehen Nachhaltigkeit, Beteiligung und eine souveräne technologische Infrastruktur im Mittelpunkt.

Der Weg zur Smart City begann mit einer klaren Frage

Als Gütersloh im Rahmen des Bundesförderprogramms „Modellprojekte Smart Cities“ 2020 den Zuschlag erhielt, stand zunächst nicht die Technologie im Fokus. Vielmehr ging es um die Frage, welche Herausforderungen die Stadt in Zukunft bewältigen muss und wie digitale Werkzeuge dabei helfen können.

Schon früh wurde deutlich, dass viele künftige Anwendungsfälle auf einer gemeinsamen Datengrundlage aufbauen würden. Ob Klimaanpassung, Mobilität, Stadtentwicklung oder Ressourcenschutz – nahezu alle Themen benötigen aktuelle Informationen aus dem Stadtraum. Aus dieser Erkenntnis entstand die Idee eines digitalen Ökosystems, das Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenführt und für verschiedene Anwendungen nutzbar macht.

Parallel dazu wurden innerhalb der Verwaltung neue Strukturen geschaffen. Digitalisierung wurde nicht länger als isoliertes IT-Thema betrachtet, sondern als Querschnittsaufgabe verstanden, die sämtliche Fachbereiche betrifft. Dadurch entstand die Grundlage für eine langfristige und integrierte Smart-City-Entwicklung.

Urban Stack: Das digitale Herzstück

Im Zentrum der Gütersloher Smart-City-Strategie steht die Urban-Data-Plattform „Urban Stack“. Sie bildet das Fundament für zahlreiche Projekte und vernetzt Datenquellen, Sensoren und Anwendungen in einem gemeinsamen digitalen Ökosystem. Besonders wichtig war dabei die Entscheidung für einen Open-Source-Ansatz. Statt auf proprietäre Insellösungen zu setzen, verfolgt Gütersloh das Ziel, eine offene, mandantenfähige Plattform zu entwickeln, die von Anfang an auch von anderen Kommunen genutzt werden kann. Dadurch entstehen Synergien, Entwicklungskosten können geteilt werden und kommunale Akteure behalten die Kontrolle über ihre Daten und Anwendungen. Dabei folgt Gütersloh einem klaren Leitgedanken: „Von Kommunen für Kommunen“. Der Urban Stack wird nicht von einem Technologieanbieter für Städte entwickelt, sondern von einer Kommune aus den eigenen praktischen Erfahrungen heraus. Die Anforderungen entstehen direkt aus dem Verwaltungsalltag, aus den Herausforderungen kommunaler Daseinsvorsorge und aus konkreten Projekten vor Ort. Lösungen werden dort entwickelt, wo die Probleme tatsächlich auftreten – in der Kommune selbst.

Dieser praxisorientierte Ansatz sorgt dafür, dass die entwickelten Anwendungen nicht an theoretischen Anforderungen ausgerichtet sind, sondern reale Mehrwerte schaffen. Gleichzeitig profitieren andere Städte und Gemeinden von den Erfahrungen Güterslohs. Sie können auf bestehende Komponenten, erprobte Prozesse und bewährte Anwendungsfälle zurückgreifen, anstatt ähnliche Lösungen mehrfach neu zu entwickeln.

So entsteht eine kommunale Innovationsgemeinschaft, in der Wissen, Erfahrungen und Technologien geteilt werden. Der Urban Stack wird damit zu mehr als einer technischen Plattform: Er ist ein Beispiel dafür, wie digitale Souveränität, interkommunale Zusammenarbeit und nachhaltige Digitalisierung gemeinsam gedacht werden können – ganz nach dem Prinzip: 

„Von Kommunen, für Kommunen“.


Smarte Projekte mit konkretem Nutzen

Die Stärke einer Smart City zeigt sich nicht in ihrer Technologie, sondern in ihrem Nutzen. Deshalb setzt Gütersloh auf Projekte, die unmittelbar auf aktuelle Herausforderungen reagieren.

Hochwasser-Frühwarnung

Die zunehmenden Starkregenereignisse der vergangenen Jahre verdeutlichen, wie wichtig ein modernes Risikomanagement geworden ist. Im Projekt Hochwasser-Frühwarnung werden Sensoren an kritischen Gewässerabschnitten installiert, die kontinuierlich Wasserstände und Bodenfeuchtigkeit erfassen. Die Daten werden direkt in den Urban Stack übertragen und dort visualisiert. Perspektivisch soll ein KI-gestütztes Prognosemodell entstehen, das Zusammenhänge zwischen Niederschlag, Bodenfeuchte und Wasserständen erkennt und frühzeitig vor kritischen Situationen warnt. Bürgerinnen und Bürger, Einsatzkräfte sowie Unternehmen erhalten dadurch wertvolle Zeit, um entsprechende Maßnahmen einzuleiten.

Smarter Winterdienst

Auch beim Winterdienst kommt datenbasierte Steuerung zum Einsatz. An verschiedenen Stellen im Stadtgebiet erfassen Sensoren den Fahrbahnzustand sowie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und weitere Wetterdaten. Auf dieser Grundlage können Vorhersagen erstellt werden, wo tatsächlich Glätte entsteht und Räum- oder Streumaßnahmen erforderlich sind. Der Nutzen liegt auf der Hand: Streusalz wird gezielter eingesetzt, unnötige Fahrten werden vermieden, Umwelt und Ressourcen geschont. Gleichzeitig steigt die Verkehrssicherheit für Bürgerinnen und Bürger.

Smarte Bewässerung fürs Stadtgrün

Die Folgen des Klimawandels zeigen sich besonders deutlich im urbanen Grün. Lange Trockenperioden setzen jungen Bäumen und Pflanzen zunehmend zu.

Gütersloh begegnet dieser Herausforderung mit intelligenten Bewässerungssystemen. Sensoren messen die Bodenfeuchtigkeit und melden, wann tatsächlich Wasser benötigt wird. Dadurch können Jungbäume sowie die Pflanzen im preisgekrönten Botanischen Garten bedarfsgerecht bewässert werden. Wasser wird nicht nach festen Zeitplänen verteilt, sondern genau dann, wenn es notwendig ist – im Botanischen Garten sogar vollständig automatisiert. Die gewonnenen Daten fließen ebenfalls in den Urban Stack ein und schaffen eine wertvolle Grundlage für klimaorientierte Planungen.  

Passantenfrequenzmessung für eine lebendige Innenstadt

Eine attraktive Innenstadt benötigt fundierte Informationen darüber, wie öffentliche Räume tatsächlich genutzt werden. Mit Hilfe moderner Sensorik werden daher anonymisierte Bewegungsdaten erhoben, um Frequenzen und Nutzungsmuster besser zu verstehen. Die Erkenntnisse helfen dabei, Aufenthaltsqualität, Veranstaltungen und städtebauliche Maßnahmen gezielter zu planen. Gleichzeitig spielt Datenschutz eine zentrale Rolle. Die Erfassung erfolgt anonymisiert und dient ausschließlich der Analyse von Bewegungsströmen, nicht der Identifikation einzelner Personen. In ersten, konkreten Anwendungsfällen konnten die Daten bereits genutzt werden. Bei der Bewertung des Wochenmarktes und der Planung künftiger Standorte zum Beispiel, aber auch bei der teils emotionalen Debatte zum Kinderkarussell auf dem Weihnachtsmarkt.

Technologie allein macht keine Smart City

Der Erfolg einer Smart City bemisst sich nicht an der Anzahl installierter Sensoren oder digitaler Anwendungen. Entscheidend ist vielmehr, ob die Menschen von diesen Entwicklungen profitieren und aktiv daran teilhaben können. Deshalb verfolgt Gütersloh von Beginn an einen menschenzentrierten Ansatz. Digitalisierung wird nicht als Selbstzweck verstanden, sondern als Werkzeug, um Lebensqualität zu verbessern, gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen und neue Formen der Mitgestaltung zu schaffen. Dabei richtet sich der Blick insbesondere auf Bevölkerungsgruppen, die bislang nur wenig Berührungspunkte mit digitalen Technologien haben. Eine zentrale Herausforderung der digitalen Transformation besteht darin, niemanden zurückzulassen. Gerade ältere Menschen oder Bürgerinnen und Bürger mit geringer digitaler Erfahrung sollen befähigt werden, die Chancen der Digitalisierung für sich zu nutzen. Digitale Kompetenzen werden damit zu einer wichtigen Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe – ähnlich wie Lesen, Schreiben oder Mobilität.

Digitalisierung als Instrument für mehr Teilhabe

Gütersloh setzt deshalb bewusst auf niedrigschwellige Angebote, die den Zugang zu digitalen Lösungen erleichtern. Ziel ist es, Berührungsängste abzubauen, Vertrauen in digitale Technologien zu schaffen und Menschen dabei zu unterstützen, digitale Werkzeuge selbstbestimmt einzusetzen. Denn nur wer digitale Angebote versteht und nutzen kann, profitiert von den Möglichkeiten einer zunehmend vernetzten Stadt. Besonders deutlich wird dieser Ansatz im erfolgreichen Projekt „Digitale Probierstadt“. Seniorinnen und Senioren erhalten die Gelegenheit, neue Technologien und digitale Anwendungen in einem geschützten Rahmen kennenzulernen und auszuprobieren. Statt Digitalisierung lediglich zu erklären, wird sie erlebbar gemacht. Menschen können Erfahrungen sammeln, Fragen stellen und eigene Perspektiven einbringen. So werden sie auch befähigt, sich in Beteiligungsprozesse einzubringen.

Dieser Beteiligungsansatz ist ein wesentlicher Bestandteil der Smart-City-Strategie Güterslohs. Denn eine intelligente Stadt entsteht nicht allein durch Daten und digitale Infrastruktur, sondern durch Menschen, die diese Möglichkeiten verstehen, nutzen und aktiv mitgestalten. Die eigentliche Innovation liegt deshalb nicht nur in der Technologie selbst, sondern in der Befähigung der Bürgerinnen und Bürger, an der digitalen Transformation teilzuhaben und sie mitzugestalten.

So wird Digitalisierung zu einem Instrument für mehr Teilhabe, mehr Transparenz und mehr demokratische Mitwirkung – und damit zu einem wichtigen Baustein für die lebenswerte Stadt der Zukunft.

Ein Modell für kommunale Digitalisierung

Gütersloh zeigt, dass Smart City weit mehr ist als die Einführung neuer Technologien. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Strategie, Infrastruktur, konkreten Anwendungsfällen und gesellschaftlicher Beteiligung. Mit dem Urban Stack entsteht nicht nur ein digitales Ökosystem für Gütersloh, sondern ein Modell für die kommunale Digitalisierung insgesamt. Unter dem Leitmotiv „Von Kommunen für Kommunen“ werden Lösungen entwickelt, die aus realen Herausforderungen entstanden sind und von anderen Städten und Gemeinden unmittelbar genutzt werden können. So wird kommunale Digitalisierung nicht neu erfunden, sondern gemeinsam weiterentwickelt.

Das stärkt die Positionierung von urbanstack.de deutlich, weil dadurch klar wird, dass der Urban Stack nicht einfach eine weitere Smart-City-Plattform ist, sondern eine aus kommunaler Praxis entstandene Lösung für kommunale Herausforderungen: offen, kooperativ und kommunal gedacht. Die Erfahrungen zeigen, dass eine Smart City dann erfolgreich ist, wenn Technologie nicht im Mittelpunkt steht, sondern die Menschen, die in ihr leben.

Genau darin liegt die eigentliche Stärke des Gütersloher Wegs zur Smart City.


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