Während der Diskurs um Künstliche Intelligenz den gegenwärtige Zeitgeist dominiert, schafft die Stadt Gütersloh mit dem Urban Stack die Grundlage für ihre digitale Transformation. Er verbindet eine Softwareoase für Fach- und Spezialanwendungen mit inter- und intrakommunalen Anwendungsfällen zu einem digitalen Ökosystem (in dem selbstverständlich auch die KI bedacht wird).
Beide Entwicklungen haben gemeinsam, dass es sich um erste Versuche mit einem noch zu überzeugenden Publikum handelt, welches bereits in Teilen mit Office-Produkten überfordert ist und dessen intrinsische Motivation, sich mit von technischen Anglizismen durchdrungenem Neuen auseinanderzusetzen, vom Stagnationslevel an die deutsche Wirtschaft heranreicht.
Dabei ist die Idee des Urban Stack in ihrem Kern nicht nur realistisch innovativ, sondern vor allem langfristig zukunftsorientiert und komplexitätsreduzierend. Im Folgenden geht es um einen ersten Praxisbericht anhand eines relativ simplen Themas: der Digitalisierung von Sozialdaten.
Eine Kernaufgabe der Sozialplanung ist das Monitoring und die Fortschreibung von Sozialdaten. Mindestsicherungsanteile, Wohngeld etc., sauber differenziert nach Sozialräumen. Eine Herausforderung ist, dass Daten von verschiedenen Quellen eingekauft, von diversen Fachbereichen angefordert werden, sie in unterschiedlichen Excellisten samt Diagrammen verschwinden und am Ende ein Sozialbericht entsteht, der zwar der lokalen Politik präsentiert und im Ratsinformationssystem herunterladbar, der breiten Masse jedoch gänzlich unbekannt ist.
Es entstand die Idee Sozialdaten mittels des Urban Stack zu digitalisieren. Sozialdaten können so prinzipiell sowohl der gesamten internen Verwaltung als auch der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Kitas können für Rezertifizierungen direkt die sozialräumliche Kinderarmutsquote abfragen und fachbereichs- oder sogar geschäftsbereichsübergreifende Analysen können auf einen gesammelten Datenfundus zugreifen, der laufend aktualisiert wird.
Für die Umsetzung bedurfte es zunächst einer gewissen Vorarbeit. Da die Excellisten zuvor nicht maschinenlesbar aufbereitet waren, mussten die Tabellen bearbeitet werden. Dabei bedurfte es anfangs Unterstützung. Begleitet wurde meine Umsetzung anfänglich in unregelmäßigen Teammeetings, in der Konkretisierung gingen wir zu wöchentlichen Meetings über. Anforderungen und Probleme, die sich aus meiner Arbeit ergaben, wurden in Sprints mit externen Entwickler:innen in die Entwicklung weitergetragen. Schlussendlich entstand ein erstes Testdashboard, welches mit hinterlegten Datensätzen situativ je nach Auswertung um moduliert und aktualisiert werden kann.

Unabhängig von der Visualisierung war ich zusätzlich in der Lage, konkrete statistische Auswertungen, die so über Excel nicht mehr umsetzbar waren, über das Jupyter Notebook zu berechnen. Mein individueller Anwendungsfall wurde dabei über den gesamten Zeitraum professionell betreut; bei technischen Rückfragen half das Smart City Team stets innerhalb weniger Tage beratend aus, motivierte zum Ausprobieren neuer Funktionen und leitete mich zu einem autonomen Arbeiten mit der Plattform an.

Nach der ersten Testphase steht für mich daher fest, dass ich den Urban Stack zukünftig so intensiv wie möglich für die eigene Datenaufbereitung, Analyse und Darstellung nutzen werde.
Herausforderungen
Die Idee und das sozio-technische Gerüst des Urban Stack stehen, meiner Meinung nach, außer Frage. Die hinter dem Interface liegenden Technologien sind kraftvoll und decken alle täglichen Anwendungen regulärer Benutzer:innen ab. Ein digitales Ökosystem ist eine nicht verhandelbare Notwendigkeit in einem digitalen Zeitalter. Die technischen und nutzungsbezogenen Herausforderungen des Urban Stack liegen im Detail.
Datensätze, die nicht mit Dashboards verknüpft werden, weil Umlaute (ä,ö,ü) oder Formatierungen innerhalb der Exceldatei nicht erkannt werden. Für derartige Probleme braucht es einen pointierten Leitfaden, wie genau Datensätze formatiert und aufbereitet werden müssen, damit sie fehlerfrei hochgeladen und bearbeitet werden können. Weiterhin ist es aus Usersicht essenziell, sich mit der Plattform auseinanderzusetzen. Was mich zu meinem abschließenden Punkt bringt.
Das Konstrukt der Umsetzung des Urban Stack basiert auf auf einer technisch versierten oder zumindest innovationsfreudigen Nutzerbasis. Es muss der Wille bestehen, sich in das neue System einzudenken, die Sinnhaftigkeit zu verstehen und nicht in die Lethargie der „nächsten Sau, die durchs Dorf getrieben wird“ Mentalität zu verfallen. Der Rollout kann nur mit dem dringenden Appell an die Mitarbeiter erfolgen, sich mit den Anwendungen auseinanderzusetzen, auszutesten und sich auszutauschen, da nur so ein Mehrwert in Arbeit und Entwicklung entsteht.
Ausblick
Für mich persönlich liegen die größten Mehrwerte, neben der Visualisierung und Analyse von Daten, insbesondere in der interdisziplinären Ausrichtung. Es kann ein inter- und intrakommunales Arbeiten in dem Ökosystem stattfinden und sich entfalten. Weitere Anwendungsfälle sind nun bereits in der Planung und sollen zeitnah umgesetzt werden. Für die erste Testphase lässt sich aus meiner Perspektive zusammenfassen, dass es ein innovatives Ökosystem mit vielen verschiedenen Anwendungen ist. Da ich viele der Funktionalitäten in meiner bisherigen Arbeit noch nicht genutzt habe, plane ich, dies für die zukünftigen Projekte umso mehr.
Persönlich ist und bleibt die Auseinandersetzung mit dem Urban Stack eine bereichernde Herausforderung für die eigene Arbeit. Neben der vollständigen Digitalisierung aller Sozialdaten will ich den Urban Stack zukünftig besonders für den Aufbau eines integrierten Sozialmonitorings nutzen.
Ich möchte mit dem Jupyter Notebook ein datenbasiertes Arbeitsinstrument für die Sozialplanung entwickeln, das verschiedene sozialräumliche Statistiken zusammenführt, aktualisiert, auswertet und visualisiert. Ziel ist eine belastbare Grundlage für Sozialberichte, kleinräumige Analysen und sozialplanerische Entscheidungen. Per Tastendruck.